seevogel des jahres 2015

brandseeschwalbe

(Thalasseus sandvicensis)


Ahrensburg - Die Brandseeschwalbe ist der Seevogel des Jahres 2015. Der elegante Fischfänger brütet in Deutschland nur auf vier Nordseeinseln und an zwei Stellen der Ostsee. Rund 7.600 Paare wurden in diesem Jahr gezählt. Das teilte der Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur am Samstag bei der Vorstellung der vom Aussterben bedrohten Vogelart in Ahrensburg (Schleswig-Holstein) mit.

„Brandseeschwalben nisten fast ausnahmslos in streng geschützten Gebieten. Anderswo sind die Störungen von Menschen und Prädatoren zu groß“, sagte der Jordsand-Vorsitzende Eckart Schrey. Außerdem nehmen zur Brutzeit im Frühsommer Sturmfluten aufgrund des  Klimawandels zu. „Da werden manchmal ganze Bruten vernichtet.“ Zudem könne starke  Industriefischerei das Nahrungsangebot an kleinen Fischen mindern.

Etwa 40 Zentimeter groß und mit 90 Zentimetern Flügellänge ist diese Seeschwalbenart,   wissenschaftlicher Name Thalasseus sandvicensis, etwas kleiner als Lachmöwen. Charakteristisch sind weißes Gefieder, silbergraue Oberflügel, schwarzer Schnabel mit gelber Spitze und ein schwarzer Federschopf. Weithin zu hören sind die lauten „kürick-kürick“-Rufe. Eng zusammengerückt brüten sie in großen Kolonien von bis zu Tausenden Paaren. Die Vegetation der Brutreviere in Dünen und auf Salzwiesen darf nicht zu hoch sein. Hauptnahrung der Vögel sind Sandaale und kleine Heringsartige.

Die meisten Brutpaare, insgesamt 3.211, zogen in diesem Jahr auf der niedersächsischen Insel Baltrum Junge groß. Den einzigen ständig besetzten Brutplatz mit 3025 Familien beherbergt die Hallig Norderoog. Das Eiland im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vor Husum war 1909 vom Verein Jordsand gekauft worden, um Seevögel zu schützen. Damals hatten Freizeitjäger, Eiersammler und Abschuss für Modezwecke – Federn wurden zu Hutschmuck verarbeitet – viele Seevogelkolonien vernichtet. Weitere Brutorte sind die vom Verein Jordsand betreute Insel Neuwerk in der Elbemündung, Minsener Oog östlich von Wangerooge sowie das NSG Langenwerder, die Inseln Kirr / Barther Oie in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Population der Atlantikküsten sowie in Nord- und Ostsee von Irland bis Estland umfasst vermutlich nicht mehr als knapp 70.000 Paare. Die größten Bestände haben Großbritannien, die Niederlande, Deutschland und Dänemark. Neben kleinen Vorkommen im Mittelmeer sind zudem das Schwarze und das Kaspische Meer besiedelt. Nach der Brutzeit von Mai bis späten Juli ziehen die heimischen Vögel entlang der Atlantikküste bis nach Südafrika. Die meisten überwintern vor Westafrika und werden dort massiv gejagt. 

Brandseeschwalben reagieren zu Beginn der Brutzeit im April/Mai vehement auf Störungen. Von Jahr zu Jahr können Brutplätze schnell aufgegeben und neue auch weit entfernt gesucht werden. „Deshalb ist es wichtig, dass Schutzgebiete in einem guten und ungestörten Zustand sind“, betonte der Biologe und Jordsand-Vorsitzende Eckart Schrey. Gemäß der EU-Vogelschutzrichtlinie trage Deutschland eine besondere Verantwortung zum Erhalt dieser seltenen Vogelart.

Artensteckbrief brandseeschwalbe

Ordnung: Charadriiformes – Wat-, Alken- und Möwenvögel


Familie: Sternidae - Seeschwalben


Art: Brandseeschwalbe (Thalasseus sandvicensis)


Verbreitung: Nordost-Atlantik, Nord- und Ostsee mit Irland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Deutschland, Dänemark, Polen, Estland, Schweden. Schwerpunkt  in   Nordseeländern. Mittelmeer: Spanien, Italien. Eurasien: Schwarzes und Kaspisches Meer.


Bestandszahlen: Brutpopulation Atlantik, Nord- und Ostsee knapp 70.000. In Deutschland im Jahr 2014 rund 7.600. Größte Kolonien auf Baltrum (Niedersachsen) und Norderoog (Schleswig-Holstein). Schwarzes Meer ca. 20.000-65.000, Kaspisches Meer 6.500-10.000. Bestände meist stark schwankend, insgesamt abnehmend.


Lebensraum: Meeresküsten, Inseln, Halbinseln mit niedriger Vegetation, Dünen, Sand- und Kiesbänke, Salzwiesen. An Meer- und Brackwasser gebunden.


Kennzeichen: Mit 37-43 cm größte heimische Seeschwalbe, etwas kleiner als Lachmöwe. Schmale lange Flügel 85 bis 97 cm. Oberseite silbergrau, Unterseite weiß, Handschwingen mit dunklem Keil. Kopfkappe schwarz mit oft gesträubtem Federschopf. Schnabel schlank mit gelber Spitze. Laute Rufe „kürick-kürick“, “kjirrik-kjirrik“, „kekekek“ etc. Bei Fischjagd auf Sandaal und Heringe Stoßtaucher aus 2 bis 10 Metern Höhe ins Meer.


Brut: Koloniebrüter in extremer Dichte von bis zu Tausenden von Tieren. Nestabstand nur 30 bis 60 cm. Erste Brut mit 3 bis 4 Jahren. Beginn Ende April/Anfang Mai. 1 bis 2 Eier, selten 3. Brutdauer 22-26 Tage, manchmal Nachgelege. Küken nach 25-35 Tagen flügge. Brut oft in Nachbarschaft von Lachmöwen, zum Teil mit anderen Seeschwalben.


Bruterfolg: 0 bis 1,9 Junge pro Paar. Stark abhängig von äußeren Einflüssen. Bei Fluten im Frühsommer oft Totalverluste. Hohe Sterberate bei Nahrungsmangel generell und Stürmen.


Wanderungen: Europäische Vögel ziehen im September/Oktober der Atlantikküste folgend nach Westafrika und bis Südafrika. Brutvögel im Osten überwintern vom Schwarzen Meer bis Mittelmeer,  Arabische See, Persischer Golf sowie bis Sri Lanka und Kenia.


Lebenszyklus: Sterblichkeit von Jungvögeln 45-61 Prozent pro Jahr, Altvögel 25-30 Prozent. Ältester europäischer Ringvogel 30 Jahre und 9 Monate.


Gefahren: Störungen von Touristen und Freizeitsport. Nahrungsmangel. Industriefischerei auf Sandaale und kleine Heringsarten. Eingriffe bei Küstenschutzmaßnahmen und Landnutzung. Starker Vegetationswuchs in Brutgebieten. Geringe Abwehr von Raubtieren wie Füchse. Kükenraub durch Großmöwen. Umweltgifte. Hochfluten zur Brutzeit und steigender Meeresspiegel. Starke Bejagung in Westafrikas Rastgebieten.


Rote Liste: Die Brandseeschwalbe steht als stark gefährdet auf der Roten Liste der in Deutschland gefährdeten Vogelarten. Auf Schleswig-Holsteins Liste wird sie als vom Aussterben bedroht geführt. Aufgrund des nur punktuellen Vorkommens trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für den Schutz dieser Vogelart.


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Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.

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