seevogel des jahres 2016

basstölpel


Der Basstölpel ist der Seevogel des Jahres 2016. Der größte Seevogel an der deutschen Küste brütet mit 684 Paaren nur auf Helgoland. Der etwa ein Meter große Fischjäger leidet besonders unter der Vermüllung der Nordsee mit Plastik. Vor allem Reste von Fischernetzen sind eine Gefahr. 

 

Da die Meeresvögel ihre Beute mit rasanten Sturzflügen in die See fangen, geraten viele in Fischernetze und ertrinken. Oder Leinen verschließen den Schnabel, so dass sie nicht mehr fressen können. Außerdem schleppen sie Reste von Nylonnetzen als Nistmaterial in die Nester. Darin verfangene Vögel werden stranguliert. Eckart Schrey, Vorsitzender des Vereins Jordsand, stellt dazu fest: „Auch aus diesem Grund muss die Fischerei umweltverträglicher werden.“ Denn, so sagte er weiter: „In diesem Meeresmüll verstrickte Tiere gehen elend zugrunde. Der Todeskampf dauert oft mehrere Tage.“

 

Das Forschungs- und Technologiezentrum Küste der Universität Kiel in Büsum ermittelte 2014: In über 90 Prozent von 265 untersuchten Basstölpelnestern auf Helgoland steckte Plastikmüll, vor allem Netzreste. 7 junge und 5 alte Tölpel starben darin. Aber auch 25 der nahebei in den Felsen brütenden Trottellummen fielen dieser Vermüllung zum Opfer. Im Dezember 2015 fand eine große Aktion zu Forschungszwecken von GEO und Greenpeace am Lummenfelsen auf Helgoland statt.

 

Der Basstölpel, wissenschaftlicher Name Morus bassanus, hatte sich erst 1991 auf Helgoland angesiedelt. Dort ist der gänsegroße Vogel nah am Felsrand zu bewundern. Auffällig sind das schneeweiße Gefieder der Altvögel und ihr gelber bis apricot-farbener Kopf. Der Gesamtbestand auf Inseln im Nordatlantik wird auf 950.000 bis 1,2 Millionen geschätzt. Davon brüten etwa 80 Prozent in Europa, der Rest an Kanadas Ostküste.

 

Die größten Kolonien, in denen die Vögel oft nur im Meterabstand nisten, beherbergt Großbritannien. Sie sind erst mit 5 Jahren brutreif und können 37 Jahre alt werden. Spektakulär sind die bis zu 100 Stundenkilometer schnellen Sturzflüge aus 10 bis 40 Metern Höhe nach Beute. Das sind vor allem Sandaale, Heringe und Makrelen.


Artensteckbrief basstölpel

(Morus Bassanus)

Ordnung: Phalacrocoraciformes – Kormoranvögel

 

Familie: Sulidae – Tölpel

 

Art: Basstölpel (Morus bassanus) [früher: Sula bassana]

 

Verbreitung: Beiderseits des Nordatlantiks mit Großbritannien, Irland, Frankreich, Deutschland (Helgoland), Dänemark (Färöer-Inseln), Island, Norwegen und Russland (Barentsee) sowie Kanada.

 

Lebensraum: Meeresvogel. Brütet auf Inseln, selten an Festlandkliffs.

 

Bestand: 950.000 bis 1,2 Millionen Individuen, davon rund 80 % in Europa. Größte Kolonien in Großbritannien und Irland mit über 225.000 bzw. 33.000 Paaren. Auf Helgoland erste Brut 1991, dann rasche Zunahme, 2015 schon 684 Paare.

Kennzeichen: 87-100 cm lang (Gänsegröße).

 

Flügel: 165 bis 180 Zentimeter. Gewicht: 2.300-3.600 Gramm. Körper stromlinienförmig. Langflügelig, rascher Flug. Starker spitzer Schnabel. Altvögel: Weiß mit gelbem bis apricot-farbenem Kopf, schwarze Flügelspitzen. Jungvögel schwärzlich-braun, vom 2.-4. Lebensjahr zunehmend weiß. Stimme: Raues „arrah-arrah“ in schneller Folge und andere gutturale Rufe.

 

Brut: Koloniebrüter, manchmal bis Zehntausende von Paaren. Brutbeginn: Ende März bis April. 1 Ei. Brutdauer: 42-46 Tage.

 

Nestlingszeit: 84-97 Tage. Geschlechtsreif meist 5. Lebensjahr. Große Partnertreue.

 

Alter/Sterblichkeit: Ältester Ringvogel 37 Jahre, 5 Monate. Sterblichkeit im 1. Lebensjahr über 60 %, das Brutalter erreichen 25 %.

 

Nahrung: Schwarmfische, vor allem Makrelen, Heringe, Sandaale, Sprotten. Rasanter Stoßtaucher auf Beute aus 10-40 Metern Höhe. Sturzfluggeschwindigkeit bis zu 100 km/h. Unter Wasser Beutefang auch schwimmend. Tauchtiefe meist bis 4, maximal 22 Meter. Jagdgebiet bis über 500 km von Kolonie entfernt.

 

Verhalten: Imposante Balz mit lautstarken Begrüßungs- und Beschnäbelungszeremonien während der Balz und bei

 

Brutablösung. Geringe Fluchtdistanz. So auf Helgoland auf unter 10 Metern zu bewundern.

 

Wanderungen: Teil- und Langstreckenzieher entlang des Kontinentalschelfs bis tropisches Westafrika bzw. Golf von Mexiko. Überwintert auch in Nordsee und Irischer See. Regelmäßig im Mittelmeer, vereinzelt Ostsee. Von Stürmen Verschlagene im Binnenland.

 

Gefahren: Tod durch Ertrinken in Fischernetzen und driftenden Netzresten. Strangulation am Brutplatz in Netzresten und Leinen aus Meeresmüll, die in Nester verbaut werden. Offshore-Windanlagen werden gemieden oder mit Gefahr der Kollision durchflogen. Meeres-Windparks schränken Nahrungsgründe ein. Bei Ölpestfällen früher große Verluste.

 

Verfolgung: Jagd bis auf wenige Ausnahmen verboten. In Westafrika vereinzelt offenbar gezielter kommerzieller Fang.

Schutzstatus: EU-weit nicht gefährdet. In Deutschland aufgrund des einzigen Brutplatzes Helgoland als Art mit eng begrenztem Vorkommen auf der Roten Liste eingetragen.

 

Name: Nach der großen Brutkolonie auf dem Bass-Rock vor der Südostküste Schottlands benannt. Der Anhang „tölpel“ beschreibt den unbeholfenen Watschelgang des Vogels an Land.

Kontakt

Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.

Bornkampsweg 35

22926 Ahrensburg

Tel.: 04102 32656


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