Ahrensburg, 25.03.2026. Das Helmholtz-Zentrum Hereon hat in einer aktuellen Studie das Ausmaß von Baggertätigkeiten an der Küste sowie die mit einer Verdriftung des Baggergutes verbundenen Risiken und Chancen untersucht. Neben Belastungen der Umwelt durch die Freisetzung von Schadstoffen aus Hafenschlick, sowie dem Freiwerden von großen Mengen CO2 aus dem Untergrund bei Baggertätigkeiten, sieht das Helmholtz-Institut aber auch Chancen, mit Baggergut das Wachstum des Wattenmeers zu unterstützen, um den Erhalt dieses einmaligen Lebensraums trotz beschleunigt steigendem Meeresspiegel abzusichern (Quelle: www.hereon.de/institutes/coastal_systems_analysis_modeling/news/120015/index.php.de).
Als Verein, der sich dem Schutz der Seevögel und der Natur verschrieben hat und der mehrere Schutzgebiete im Bereich des Wattenmeeres betreut, ist uns natürlich daran gelegen, die einzigartige Naturlandschaft des Wattenmeeres auch für die Zukunft zu erhalten. Der Verein Jordsand möchte mit dieser Pressemitteilung auf einen ökologisch bedeutsamen Aspekt hinweisen, der in der durch die Studie des Helmholtz-Instituts ausgelösten Diskussion bislang völlig unberücksichtigt geblieben ist.
In den Watten der Nordseeküste gibt es ein von den Strömungen abhängiges Mosaik von Sandwatten, Mischwatten und Schlickwatten. In jedem dieser Bereiche kommen spezifische Lebensgemeinschaften vor. Schlickwatt findet man in der Regel nur landnah in geschützten Buchten. In den flächenmäßig größeren Wattenmeerbereichen, wo starke Strömungen dominieren, überwiegen Sandwatten mit hohen Grobsand- und sehr geringen Schluff- und Tonanteilen.
Genau dort findet sich aber ein sehr spezieller Lebensraum, Urlaubern durch die vielen Wattwurmhäufchen bekannt. Hier findet sich eine einzigartige und artenreiche Lebensgemeinschaft, die von extrem kleinen und in den Sandzwischenräumen in großer Zahl lebenden Einzellern, Würmern, Krebsen, Muscheln und Schnecken, der sogenannten Sandlückenfauna, bis zu im Sand eingegraben lebenden Herz- und Sandklaffmuscheln sowie Wattwürmern reicht. In den tiefer gelegenen Sandbereichen sind vor allem Sandaale von Bedeutung, eine durch Fischerei ohnehin bedrohte Fischart, die sich zum Ruhen in den Sand eingräbt, um nicht durch die Strömung abgedriftet zu werden. Sandaale sind für die Ernährung von Raubfischen, Schweinswalen und vielen Seevogelarten, wie z. B. Brandseeschwalben existenzielle Lebensgrundlage. Sandaale sind für die Jungenaufzucht vieler Seevogelarten überlebensnotwendig und machen oft mehr als die Hälfte der Beutearten aus. Schon ab einem Anteil von 4% Feinsediment (Schlick) kommen Sandaale allerdings nicht mehr in den Watten vor.
Will man, wie in der o. g. Studie angesprochen, Feinsedimente von der Seeseite her einspülen, lagern sich diese zuerst in den Sandwatten ab. Wenn sich aber durch das Verklappen von Hafenschlick feinkörniges Material über die Sandwatten verteilt, wie Studienautor Lucas Porz erklärt, dann wird die Artengemeinschaft des Grobsandes unter dem Schlick gewissermaßen erstickt.
Der Verein Jordsand mahnt daher bei den Ideen der Schlickverklappung eine differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Watttypen an. Ein einheitlicher „Schleier“ von feinem Schlick über alle Wattflächen hinweg würde der Vielfalt des Wattenmeers sehr schaden. Ein gravierender Artenschwund schon deutlich vor der akuten Meeresspiegelerhöhung wäre die Folge.
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Pressekontakt:
Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.
Katja Schmela
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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