Silberner Austernfischer 2016

Silberner Austernfischer 2016

Der Verein Jordsand zeichnet Rolf de Vries mit dem "Silbernen Austernfischer" aus.

„Rolf de Vries ist ein Jordsand-Urgestein und aus der Vereinsarbeit gar nicht wegzudenken“ so der Vorsitzende des Vereins Jordsand, Dr. Eckart Schrey, bei der Preisverleihung. „Offiziell ist er Referent für das Ahrensburger Tunneltal, aber für uns ist er fast noch wichtiger in seiner Funktion als Netzwerker und Organisator, der Zugang zu vielen gesellschaftlichen Bereichen hat, die manchmal für den Naturschutz nur schwer zu erschließen sind.“

 

Seine „Karriere“ als Naturschützer begann als 14jähriger Beringer der Vogelwarte Helgoland. Maßstäbe setzte er wenig später mit der Entwicklung eines Auswertungsprogramms von Wiederfunden beringter Vögel, das der Vogelzugforschung den Weg ins EDV-Zeitalter ebnete.

 

Rolf de Vries ist Mit-Initiator, langjähriger Leiter und Koordinator der „Arbeitsgemeinschaft Seevogelschutz“, in der Verbände, Behörden und Forschungseinrichtungen, die an der deutschen Nord- und Ostseeküste mit Schutz und Erforschung von Küstenvögeln befasst sind, länderübergreifend zusammenarbeiten. Seit 1996 organisiert und leitet er das im zweijährigen Rhythmus stattfindende See- und Küstenvogel-Kolloquium.

 

Im Rahmen eines Management-Austauschprogramms war er als „Beauftragter für die Elbe“ der Hamburger Umweltbehörde fünf Jahre lang an der Planung und Realisierung von Maßnahmen in verschiedenen Organisationen zur Elbe-sanierung tätig. Als IT-Spezialist leitete Rolf de Vries damals die Arbeitsgruppe zur Entwicklung des Informationsnetzes Elbesanierung der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE). Hier werden kontinuierlich Daten über die Gewässerbelastung gesammelt, die die wichtigste Grundlage von notwendigen Veränderungen bilden.

Rolf de Vries engagiert sich auch im fortgeschrittenen Alter ehrenamtlich in zahlreichen Gremien und Initiativen. Im Jahr 2005 erhielt er den Umwelt-Sonderpreis des B.A.U.M.-Netzwerks, im Jahr 2007 das Bundesverdienstkreuz am Bande. „Und nun unsere Jordsand-Auszeichnung, den Silbernen Austernfischer. Du warst jetzt einfach dran“, freute sich Dr. Eckart Schrey bei der Preisverleihung.


Laudation

Lieber Rolf, liebe Jordsanderinnen und Jordsander,

 

zum dritten Mal verleiht der Verein Jordsand unsere Vereinsauszeichnung, den „Silbernen Austernfischer“, für besondere Verdienste im See- und Küstenvogelschutz. Der heutige Preisträger ist Rolf de Vries, vielen Teilnehmern der heutigen Mitgliederversammlung bekannt als versierter Versammlungsleiter, als ehemaliges Vorstandsmitglied und als langjähriger Referent unseres Vereins im Ahrensburger Tunneltal. Die Preisträger der letzten Jahre haben wir im Rahmen unserer Gremiensitzung geehrt, aber ich finde, dass dieses Thema bedeutungsvoll genug ist für die Mitgliederversammlung. Deshalb steht es heute auf der Tagesordnung.

 

Rolfs Karriere als Naturschützer begann 1954 in früher Jugend als vierzehnjähriger Vogelfänger in Wilhelmshaven. Dorthin war die Vogelwarte Helgoland nach der Bombardierung der Insel in den letzten Kriegstagen und der nachfolgenden völligen Zerstörung umgezogen. Er war ehrenamtlicher Beringer unter der Obhut von Hans Bub, eine Tätigkeit, die er noch bis etwa 1970 ausübte. Neben Kiebitzen und Zwergseeschwalben, die damals noch im Rüstersieler Groden brüteten, waren es vor allem Berghänflinge, die im Rahmen eines umfangreichen Beringungsprogramms gefangen, bestimmt und vermessen wurden. In der Literatur existiert die schier unglaubliche Zahl von 105.133 Berghänflingen, die in diesen Jahren beringt wurden, ein großer Teil ging auf das Konto von Rolf. Benutzt wurde die Wasserlocke, eine Spezialfalle, in der ganze Schwärme eingefangen werden konnten. Es ging wie das Brezelbacken. Das Lob des Institutsleiters Friedrich Goethe blieb nicht aus: „Das macht er sehr gut!“

 

Beim Fangen und Beringen blieb es aber nicht. 1967 erschien in der Zeitschrift „Die Vogelwarte“ eine Publikation von Rolf de Vries: „Fortran-Programm zum Berechnen von Entfernung und Kurswinkel für Nah- und Fernfunde beringter Vögel“. In mehrfacher Hinsicht ein wegweisender Artikel! Er erleichterte und beschleunigte die Auswertungsarbeiten bei Ringfundmeldungen und wurde so zur Grundlage der Auswertung vieler Wiederfunde beringter Vögel. Darüber hinaus wurde hier bereits Rolfs Talent zur praktischen Anwendung der aufblühenden Datenverarbeitung sichtbar, zunächst per Lochkarte, später per Computer.

 

1956 konnte der Betrieb der Fanganlagen auf Helgoland wieder aufgenommen werden, Rolf de Vries war wenig später einer der ersten Stationshelfer bei Gottfried Vauk, dem Leiter der Inselstation. 1963 blieb er gleich für 6 Monate an der Inselstation, wo er zusammen mit Gert Dahms die große Trichterreuse am ersten Teich im Fanggarten baute. Die Namen Gottfried Vauk, Gert Dahms und jetzt aktuell Rolf de Vries finden sich in der Preisträgerliste des „Silbernen Austernfischers“ wieder, sicher kein Zufall.

 

Nach mehreren beruflich bedingten Umzügen wurde er 1982 in Ahrensburg sesshaft. Verbunden war damit der Eintritt in den Verein Jordsand, gleich auch die Übernahme des Referentenamtes für das Ahrensburger Tunneltal – „im Auftrag“ des Vereinsvorsitzenden Gottfried Vauk natürlich - und Interesse und Engagement für den neuen Vereinssitz in Ahrensburg/Wulfsdorf, das Haus der Natur. Es folgten die Mitarbeit im Vorstand als 2. Vorsitzender, danach eine mehrjährige Beiratstätigkeit und aktuell das Sprecheramt der Referenten. Seit 15 Jahren ist Rolf Naturschutzbeauftragter der Stadt Ahrensburg und seit 12 Jahren Mitglied des Naturschutzdienstes im Kreis Stormarn. Man könnte auch hier sagen, wer denn sonst, wenn nicht Rolf.

 

Rolf ist Gründungsmitglied der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz in Jever und war maßgeblich daran beteiligt, dass der Elisabeth-Außengroden, ein wichtiges Brut- und Rastgebiet für Küstenvögel in Niedersachsen, unter Naturschutz gestellt wurde. Er ist Mit-Initiator der „Arbeitsgemeinschaft Seevogelschutz“, die 1982 nach der Auflösung der „Zentralstelle für den Seevogelschutz“ am Institut für Vogelforschung von engagierten Naturschützern ins Leben gerufen wurde. In der AG Seevogelschutz treffen sich die Vertreter aller privaten Verbände, behördlichen Institutionen und Forschungseinrichtungen, die an der deutschen Nord- und Ostseeküste mit Schutz und Erforschung von Küstenvögeln befasst sind, um Informationen auszutauschen und Vorgehensweisen abzustimmen. Seit 1996 leitet Rolf das im zweijährigen Rhythmus stattfindende See- und Küstenvogel-Kolloquium, aktuell organisiert er die 11. Tagung im Herbst in Hamburg. Die AG Seevogelschutz ist die einzige länderübergreifende Institution, in der privater, wissenschaftlicher und behördlicher Naturschutz an Nord- und Ostseeküste zusammenarbeiten. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal dieser immens wichtigen Einrichtung ist ihre überaus engagierte und bisher einzige Führungspersönlichkeit. Nämlich Rolf de Vries. Außer ihm hat diese Tagung bisher noch niemand organisiert und geleitet.

 

Beruflich war Rolf in leitender Funktion an mehreren Standorten eines großen Dienstleisters im IT-Bereich tätig, zuletzt in Hamburg. Eine makellose Karriere, die allerdings eine bemerkenswerte Unterbrechung aufweist. Rolf ist eben nicht nur ein Profi, der sein erlerntes Handwerk beherrscht, sondern auch kompetenter Natur- und Umweltschützer. Und ihn zeichnet bis heute die Freude an zielgerichteter Kommunikation und Zusammenarbeit aus. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde er von 1988 bis 1993 vom damaligen Umweltsenator Kuhbier als Verhandlungspartner der Stadt Hamburg - als „Beauftragter für die Elbe“ – in die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe entsandt, in der die Bemühungen der Elbanrainer-Staaten zur Gewässer-Sanierung koordiniert werden. Rolf war damals entscheidend an der Entwicklung des Informationsnetzes Elbe beteiligt, das mit dem Ziel aufgebaut wurde, umfassende Daten über die Belastung des Stroms zu erlangen. Auf dieser Grundlage konnten die Sanierungspläne erarbeitet werden. Das Messnetz Elbe ist heute ein Instrumentarium, das aus dem Gewässer-Management nicht mehr wegzudenken ist. Auch damals wieder nach kurzer Zeit die Bestätigung: „Mit Ihnen kann man gut zusammenarbeiten“. Dieses Mal nach 6 Wochen aus dem Mund des Staatsrats.

 

1995 wurde er Leiter des Zentrums für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik der Handwerkskammer Hamburg und war damit endgültig zu einer Stimme im Natur- und Umweltschutz geworden, die in Hamburg und Umgebung nicht mehr zu überhören war. Es würde jeden Rahmen sprengen, wenn ich hier jetzt die Gremien und Ausschüsse aufzählen würde, in denen der Netzwerker Rolf de Vries mitgearbeitet hat oder bis heute mitarbeitet. Es sind immens viele.

 

Eine Stufe auf der Karriereleiter will ich aber doch noch ein bisschen beleuchten. Rolf ist nämlich auch Korvettenkapitän. Und nach meinem Verständnis könnte man fast sagen „ehrenhalber“, weil er nämlich gar nicht gedient hat. Das kam so: Von 1977 bis 1983 war er Leiter der Niederlassung Flensburg/Glücksburg der IBM-Sondersysteme GmbH. Er hatte die fachliche Verantwortung für die Entwicklung und den Aufbau eines komplexen Führungs- und Informationssystems für das Flottenkommando der Marine. Dass er das hervorragend hinbekommen würde, war ja keine Frage. Aber irgendwie war er dann plötzlich auch Stabsoffizier. Wie er das gemacht hat, bleibt wohl das gut gehütete Geheimnis seines Vorgesetzten. Die spätere Beförderung zum Korvettenkapitän führt er darauf zurück, dass er - neben einigen kurzen Wehrübungen - bei einem Flottenbesuch in Schweden beim Brötchenschmierdienst für Königin Silvia wohl einen guten Eindruck gemacht hat.

 

Rolf hat viele Auszeichnungen bekommen, natürlich. Im Jahr 2005 den Umwelt-Sonderpreis des B.A.U.M.-Netzwerks für nachhaltiges Wirtschaften oder im Jahr 2007 das Bundesverdienstkreuz für seine Aktivitäten im Natur- und Umweltschutz. Die wichtigste und bisher nur zweimal verliehene Auszeichnung fehlt ihm aber noch: der „Silberne Austernfischer“. Das holen wir heute nach.

 

Und, lieber Rolf, dir zu Ehren gibt es jetzt etwas Neues. Bisher haben wir lediglich eine kleine Anstecknadel verliehen, heute gibt es eine künstlerisch gestaltete Skulptur. Entworfen und gefertigt wurde sie von unserem Vereinsmitglied Manfred Webel, der heute leider nicht hier sein kann, aber herzlich gratuliert. Die Skulptur zeigt unseren Wappenvogel als filigrane Silhouette, von Strahlen getragen oder vielleicht auch gefährlich bedroht. Das überlasse ich dem Interpretationstalent des Preisträgers. Verstauben wird der Vogel wohl nicht, für derart banale Gesetzmäßigkeiten bietet er einfach zu wenig Angriffsfläche.

 

Lieber Rolf, herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für alles, was du für den Verein Jordsand und zum Schutz unserer Seevögel bisher geleistet hast. Und der Dank gilt natürlich auch deiner lieben Helma und deiner Familie, die dir so manches Mal den Rücken frei gehalten und auf ihren Revierlöwen verzichtet haben.

 

Dr. Eckart Schrey

 1. Vorsitzender

Kontakt

Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.

Bornkampsweg 35

22926 Ahrensburg

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Email: hdn@jordsand.de


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