Von den USA an die Schleimündung

Bereits um 4 Uhr morgens klingelt momentan der Wecker für die Vogelwarte des Verein Jordsand an der Schleimündung. Für die 22-jährige Gwendolyn Nitz ist das aber kein Problem. Sie ist seit ihrer Kindheit Frühaufsteherin. Im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms zwischen dem deutschen Bundestag und dem amerikanischen Kongress ist sie ein Jahr in Deutschland und absolviert zurzeit ein dreimonatiges  Praktikum  im  Naturerlebniszentrum  an  der  Schlei.  Vorher  hat  Sie  als  Austauschstudentin an der Hochschule Bremen studiert.

 

Mit der aufgehenden Sonne geht es hinaus ins Naturschutzgebiet Vögel zählen. Die Vogelwarte stehen so früh auf, weil Seevögel morgens noch weniger aktiv sind und sich dadurch leichter zählen lassen. Auf der Schlei schwimmt eine Gruppe Sturmmöwen, auf der Salzwiese fliegt ein Rotschenkel auf und am Himmel dreht ein Seeadler seine Runden. Mittlerweile kennt Gwendolyn fast alle Arten und ist total vogelbegeistert. „Ich habe mich schon immer für Natur interessiert. Aber wenn ich zurück in den USA bin,  werde  ich  mir  ein  Fernglas  und  ein  Bestimmungsbuch  kaufen.  Ich  glaube,  ich werde das jetzt mein ganzes Leben lang machen. Das geht nicht mehr weg!“, sagt sie lachend.


Außer den Vögeln sind auch Schafe ein großer Teil von Gwendolyns Leben geworden. Eine Schafherde des Vereins hält zusammen mit Galloway-Rindern das Gras im südlichen Teil des Naturschutzgebietes kurz und schafft so die notwendige freie Sicht wie attraktive Brutmöglichkeiten für die bodenbrütenden Seevögel. In diesem Frühjahr hat allerdings eine Schafmutter ihr Lamm verstoßen. Gwendolyn und ihre Kollegen nahmen sich des Tieres an, tauften es auf den Namen Hermine und zogen es mit der Flasche auf: „Wie richtige Eltern haben wir uns immer Sorgen gemacht und mussten unser Lamm auch einmal zum Tierarzt bringen.“ Inzwischen geht es dem Lamm wieder gut und es läuft in der Herde mit.

 

Das unter strengem Schutz stehende Areal zwischen Ostsee und Schlei bietet Heimat für viele bedrohte Vogelarten. Die Küstendynamik ließ im Laufe der Jahrhunderte eine vielfältige Strandwallandschaft mit Dünen, Trockenrasen, Salzwiesen, Brackwasserröhrichten und Windwatten auf engstem Raum entstehen. Diese einzigartige Vielfalt an Lebensräumen hat als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für die Vogelwelt internationale Bedeutung. Deshalb zählt das Gebiet zu den wenigen Strandabschnitten an der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste, die nicht betreten werden dürfen.

 

Neben der Vogelzählung beanspruchen Besucherführungen den Hauptteil der Zeit der Naturschützer. Da zum Schutz der empfindlichen Landschaft und ihrer Tiere ein Betretungsverbot gilt, kann das Gebiet nur mit den Vogelwarten erkundet werden. „Ein großer Teil unserer Arbeit ist, die Leute über die Natur hier vor Ort zu informieren und zu begeistern“, so Dieter Wilhelm, der zuständige Referent für das Schutzgebiet. Denn Vögel sind den Deutschen wichtig, hat Gwendolyn während ihrer vielen Gespräche mit Besuchern im Naturerlebniszentrum und bei den Führungen festgestellt. „Die Besucher erzählen, was sie für die Vögel in ihrem Garten machen. Sie sorgen sich über ihren Rückgang und versuchen etwas dagegen zu tun.“


Im Juli steht dann die Rückreise in die USA an, denn eigentlich studiert Gwendolyn Umwelttechnik an der Michigan Technological University. Dahin wird sie neben dem neuen fachlichen Wissen auch viele schöne Erinnerungen an das einzigartige Leben der Naturschützer an der Schlei mitnehmen: „In der zweiten Woche meines Prakti-
kums haben wir mit dem ganzen Team Heu gemacht. Danach haben wir alle gemein-sam gegrillt und Lieder gesungen. Meine Kollegen haben mir Schlager und Karnevalslieder beigebracht. So etwas haben wir in den USA nicht. Es war sehr schön am Anfang direkt in diese tolle Gemeinschaft aufgenommen zu werden.“ Nach den tollen Erfahrungen, die Gwendolyn an der Schleimündung gesammelt hat, überlegt sie nach ihrem Studienabschluss  statt  in  der  Umwelttechnik  doch  im  Naturschutzbereich  oder  der Umweltbildung zu arbeiten.

 

Im Rahmen des Jubiläumsprogramms 2018/2019 111 Jahre Jordsand bietet der Verein Jordsand  am  kommenden  Wochenende  zwei  Jubiläumsführungen  im  Schutzgebiet Schleimündung an:

 

Samstag, 07.07.2018, 11 Uhr, Schleimündung 
Führung Naturerlebniszentrum (NEZ) Maasholm – Von der ehemaligen Raketenstation zum aktiven Naturerlebnis. Streifzug durch das NEZ Maasholm. Wo früher Hawk-Raketen stationiert waren, hat  sich die Natur das Gelände auf vielfältige Weise  zurückerobert.  Erleben  Sie  Biodiversität  für  Mensch  und  Natur.  Maximal  15 Teilnehmer!  Treffpunkt:  Naturerlebniszentrum  Maasholm.  Anmeldung  unter schleimuendung@jordsand.de oder unter Telefon 04642 - 92 16 80. Dienstag, 10.07.18, 9.00 Uhr, Schleimündung


Fährfahrt von Schleswig nach Schleimündung und Führung –

Zuerst geht es mit dem Schiff von Schleswig aus Richtung Schleimündung. Wir passieren dabei auch die Möweninsel vor der Altstadt Schleswigs. Anschließend zeigt Ihnen unser Vogelwart bei einer Führung die Flora und Fauna sowie die Gemomorphologie des Naturschutzgebietes Schleimündung. Außerdem erzählt er Ihnen über seine tägliche Arbeit vor Ort und die Kulturgeschichte der Region. Treffpunkt: Schiffsanleger, Gottorfer Damm 1, 24837 Schleswig Preis: Auf Anfrage. Maximal 15 Teilnehmer, mindestens 7 Teilnehmer! Reservierung unter schleimuendung@jordsand.de oder unter Telefon 04642 - 92 16 80. 

Kontakt

Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.

Bornkampsweg 35

22926 Ahrensburg

Tel.: 04102 32656

Email: info@jordsand.de


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