Frühjahrssaison 2018 – ein Zwischenstand:

Fotos: M. Kiepert

Nach etwa 6 Wochen Frühjahrssaison 2018 ist Zeit für eine kurze Zwischenbilanz. Bisher wurden an der Beringungsstation Greifswalder Oie etwa 5750 Vögel aus 46 Arten gefangen und beringt. Nachdem die Saison mit niedrigen Temperaturen und starken NO-Winden recht „vogelarm“ startete, folgten in der ersten Aprilhälfte eine Reihe fangstarker Tage. Während die Anzahl beringter Rotkehlchen vergleichbar mit den Vorjahren ist, wurden überdurchschnittlich viele Amseln, Zaunkönige und Sommergoldhähnchen gefangen. Mit über 425 Beringungen wurde bereits jetzt ein neues Heimzugmaximum für das Sommergoldhähnchen erreicht. Im Vergleich dazu sind bislang nur etwa 50% der üblichen Anzahl Wintergoldhähnchen beringt worden und es sind aufgrund der Jahreszeit kaum noch weitere zu erwarten. Ein Großteil der Kurzstreckenzieher sollte nun durchgezogen sein und wir erwarten die Langstreckenzieher, die im Mai und Juni die Insel passieren. Bisherige Besonderheiten waren ein Kleiber, 7 Schwarzkehlchen, (recht) viele Waldschnepfen und ein früher Sprosser am 22. April. Unter den gefangenen Vögeln waren einige, die bereits einen Ring einer anderen Beringungszentrale trugen: zwei Rotkehlchen (Belgien), ein Sommergoldhähnchen (Belgien), eine Rohrammer (Norwegen), eine Mönchsgrasmücke (Polen), eine Amsel (Niederlande) und vier Blaumeisen (Litauen).

 

Wir freuen uns auf die kommenden Wochen und sind neugierig auf den Verlauf der Brutsaison von Eiderente und Co. Euer Team @BiGOie.J Verein Jordsand e. V.


Erstmals baby-kegelrobbe gesichtet

Weisse Robbe - graue Steine: Am 19.04.2018 wurde auf der Insel Greifswalder Oie eine junge Kegelrobbe im Lanugofell beobachtet. Das Tier lag an der Ostseite der Insel und lies sich aus sicherer, störungsfreier Entfernung hervorragend beobachten und fotografieren. Laut Experten des Meeresmuseum Stralsund ist das Tier mindestens 2 Wochen alt und in einem relativ guten Ernährungszustand. Nachdem die Robbe zwischen 13:30 Uhr und 18:00 Uhr regelmäßig liegend und schwimmend beobachtet werden konnte, konnte sie am späten Abend sowie am Morgen darauf nicht mehr entdeckt werden. Vermutlich wurde sie von ihrer Mutter abgeholt. Möglicherweise handelt es sich hierbei um das Tier, welches am 15.04.2018 am Strand von Heringsdorf auf Usedom gefunden wurde.


Zwischen Meeresenten und Kegelrobben

Im Winter rasten oft riesige Schwärme Eis- und Bergenten sowie große Mengen von Trauer- und Samtenten in der die Greifswalder Oie umgebenen Ostsee. Dabei treten die großen Konzentrationen in der Regel erst im Verlauf des Januars auf und halten sich bis Ende März im Gebiet auf. Die zum Teil recht kleinen Meeresenten können wegen den ungünstigen Sichtbedingungen und hohen Wellen oft nicht vollständig erfasst werden. Umso erfreulicher ist es für die Stationsbesatzung der Inselstation, wenn die (ohnehin seltenen) windarmen Tage zum Zählen großer Vogelmengen einladen.  

In den letzten Tagen beruhigte sich die See fast komplett, es herrschte leichter Frost und die herunter gekühlte Winterluft auf der Insel war erfüllt von den Balzrufen vieler nordischer Enten sowie Kegelrobbenrufen. Insgesamt fiel seit einigen Tagen auf, dass sich die Anzahl der Enten im Vergleich zu den Vortagen kontinuierlich erhöht hatte. Am 17.02.2018 fand bei idealen Bedingungen die wöchentliche Wasservogelzählung statt. So konnten an diesem Tag zwar nur etwa 1.320 Eis-, jedoch auch beachtliche 5.555 Samt- sowie 4.295 Trauerenten erfasst werden. Einzig die großen Bergententrupps (nur ca. 193 Ind.) blieben aus.

Die Sicht- und Wellenverhältnisse brachten zudem den bislang höchsten Jahreswert von 78 Kegelrobben zur Greifswalder Oie. Vergleiche mit den Vorjahren lassen hoffen, dass die Zahlen bis Ende März, wenn der Hering zum laichen in den Greifswalder Bodden zieht, noch weiter ansteigen werden. Eventuell kann ja sogar der aktuelle Rekord vom 26.03.2017, als um die Insel 127 Kegelrobben gezählt werden konnten, gebrochen werden? In den kommenden Wochen sollte auch die Zahl der rastenden Eisenten, welche sich im späten Winter zu einem Großteil von Heringslaich ernähren, massiv zunehmen. 

Wir warten gespannt auf die weiteren Entwicklungen in der Vogelwelt und bei den Kegelrobben, bis am 13.03.2018 wieder die Stationshelfer*innen anreisen, um am 15.03. die Frühjahrsberingungssaison auf der Greifswalder Oie zu eröffnen.

 


Östlicher Hausrotschwanz auf der Oie

Am 10.01.18 wurde auf der Greifswalder Oie bei einem Rundgang ein auffälliger Rotschwanz entdeckt. Das Aussehen des Vogels ähnelte wegen des ausgedehnt roten Bauches eher dem eines Garten-, als dem des hiesigen Hausrotschwanzes und auch die ungewöhnliche Jahreszeit ließen bei der Beobachterin sofort die Alarmglocken klingeln.

Hausrotschwänze überwintern regelmäßig in geringer Zahl in Deutschland, die Männchen haben aber einen dunkelgrauen Bauch. Gartenrotschwänze sollten sich spätestens ab Oktober auf dem Weg  in ihre Winterquartiere südlich der Sahara befinden, so ganz hätte das Aussehen des Vogels ohnehin nicht auf das eines männlichen Gartenrotschwanzes gepasst.

Schnell wurde zum Wohnhaus geeilt, um eine Kamera zur Anfertigung von Belegbildern zu holen. Denn bei dem Vogel handelte es sich wahrscheinlich um einen „Östlichen Hausrotschwanz“ (Phoenicurus ochruros phoenicuroides)!

Das Verbreitungsgebiet dieser östlichen Unterart des Hausrotschwanzes liegt in Zentralasien. Diese Unterart tritt in Deutschland äußerst selten auf. Ohne den Vogel von der Oie liegen fünf Beobachtungen möglicher östlicher Hausrotschwänze aus Deutschland vor.

Immer wieder treten jedoch auch Hybride aus Haus- und Gartenrotschwanz auf. Diese Vögel sehen den östlichen Hausrotschwänzen enorm ähnlich. Die für die finale Bestimmung nötigen Details am zusammengelegten Flügel lassen sich auf den Bildern nicht erkennen. Das jahreszeitliche Auftreten sowie einzelne Färbungsdetails „unseres“ Vogels sprechen jedoch recht klar für einen östlichen Hausrotschwanz.

Am 11.01. verlief die Nachsuche bei dickstem Nebel und Sichtweiten unter 500m erfolglos, am 12.01. wurde das Tier zuletzt beobachtet.

Bei Anerkennung durch die Deutsche Avifaunistische Kommission würde es sich hierbei also um den maximal 6. Deutschen Nachweis sowie den ersten Nachweis für die Insel und das Land Mecklenburg-Vorpommern handeln. Möglicherweise ist eine Anerkennung mit den vorliegenden Fotos jedoch leider nicht möglich.

 

Unterartstatus hin oder her, schön ist das Tier alle Male! Also: Immer die Augen offen halten, es gibt (fast) immer etwas zu sehen!


Fischotter auf der Greifswalder Oie

Seit einigen Jahren können im Herbst und Winter immer wieder Spuren von Fischottern (Lutra lutra) auf der Greifswalder Oie gefunden werden. In diesem Jahr gelang es erstmals, den seit Oktober anwesenden Otter vor die Linse zu bekommen. Über den Jahreswechsel 2016/2017 wurden an einem Strandabschnit Fotofallen aufgestellt, an dem regelmäßig frische Otterspuren im Sand zu finden sind. Dadurch konnten endlich einige Bilder sowie ein kurzes Video zur Dokumentation aufgenommen werden. Das Video findet Ihr auf unserer Facebook-Seite.


Deutscher Erstnachweis der Bergbraunelle auf der greifswalder Oie

© Jonas Buddemeier

Am 12.10.16 konnte auf der Greifswalder Oie eine Bergbraunelle (Prunella montanella) beobachtet werden. Am Folgetag wurden im Norden der Insel zeitgleich zwei weitere Individuen entdeckt, so dass sicher davon ausgegangen werden kann, dass sich am 13.10. drei Exemplare auf der Oie aufhielten.  Bei Anerkennung  durch die Deutsche Avifaunistische Kommission stellen diese Beobachtungen den ersten, zweiten und dritten Nachweis dieser Art in Deutschland dar!

 

Insbesondere der Vogel vom 12.10. ist wenig scheu und stationär im Bereich des Plattenweges zwischen den Schafkoppeln, wobei die Weidezäune als Sitzwarte dienen. Die Braunelle lässt sich mit der geringen Fluchtdistanz von etwa zehn Metern hervorragend bei der Nahrungssuche am Boden beobachten und fotografieren.

 

Das Brutgebiet dieser Art erstreckt sich vom westlichen Ural bis Nordsibirien, das Überwinterungsgebiet liegt in Südost-Asien. Momentan scheint ein Einflug dieser Art nach Europa statt zu finden – seit dem 04.10. gelangen Nachweise von Bergbraunellen in Schweden, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Polen und auf der Greifswalder Oie.

 

Also: Augen auf, die Chance, eine Bergbraunelle in Deutschland zu entdecken, war wohl nie besser als in diesen Tagen!

 


Gleitaar und Alpenbraunelle – zwei Erstnachweise für die Greifswalder Oie

Unsere Mitarbeiter auf der Greifswalder Oie hatten in den letzten Tagen gleich doppeltes Glück. Mit einem Gleitaar am 22. April und einer Alpenbraunelle am 26. April gelangen innerhalb weniger Tage für die Insel gleich zwei Erstnachweise von Vögeln, die in (Nord-)Deutschland nur extrem selten anzutreffen sind. Weiterlesen


Kontakt

Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.

Bornkampsweg 35

22926 Ahrensburg

Tel.: 04102 32656

Email: hdn@jordsand.de


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